Als Teenagerin wurde sie in ihrer kleinen Tessiner Gemeinde jahrelang vom allseits beliebten Dorfpfarrer missbraucht. Als sie ihre Eltern endlich einweihte, wagten es diese nicht, Anzeige zu erstatten (“niemand wird uns glauben”), bis ein befreudeter Polizist sie überzeugen konnte. 1984 kam es zum Prozess, der Täter wurde verurteilt, aus gesundheitlichen Gründen jedoch bald in ein Spital verlegt, wo er starb. Trotz der himmelschreienden Ungerechtigkeit hat sie ihren Glauben an Gott nicht verloren. Sie hat uns erzählt, wie so etwas möglich ist. Nach diesem Beitrag im SONNTAG wurde sie von der neu gegründeten Arbeitsgruppe GAVA für Missbrauchsopfer im religiösen Umfeld im Bistum Lugano kontaktiert und engagiert sich seither als ehemalige Betroffene für die aktuellen Opfer. Sie selbst scheut sich nicht, ihr Gesicht zu zeigen und ihren Namen zu nennen, aber gemeinsam mit meinem Chefredaktor Anton Ladner haben wir beschlossen, ihre Anonymität zu wahren. Zum Artikel.
Publiziert: Sonntag, August 2024